Window-Airbags, häufiger Kopf- oder Vorhangairbags genannt, sind aufblasbare Polster, die entlang des Dachrahmens oberhalb der Seitenscheiben verstaut sind und sich nach unten entfalten, um bei einem Seitenaufprall oder Überschlag die Köpfe der Insassen zu schützen. Es gibt sie, weil bei Seitenkollisionen und Überschlägen zwischen dem Kopf eines Insassen und der harten Struktur aus Türsäulen, Glas und eindringenden Objekten nur sehr wenig verformbarer Raum bleibt – weit weniger als die lange Knautschzone, die bei einem Frontalaufprall zur Verfügung steht –, sodass ein eigenes Polster nötig ist, um diese schmale Lücke in Millisekunden zu überbrücken.
Der Airbag selbst ist ein langer Stoffschlauch, oft mehr als anderthalb Meter lang, der in den Dachhimmel gefaltet und hinter der Verkleidung verborgen ist, die von der A- bis zur C-Säule verläuft. Registrieren die Crashsensoren – meist Druck- oder Beschleunigungssensoren in den Türen und entlang der Schweller – einen Seitenaufprall ausreichender Schwere, zündet das Steuergerät einen pyrotechnischen oder hybriden Gasgenerator. In etwa 20 bis 30 Millisekunden strömt Gas in den Sack, der sich wie ein Vorhang über die Seitenscheiben spannt und sich zwischen Insassen und Glas legt. Anders als ein Frontairbag, der fast sofort wieder entweicht, ist ein Vorhangairbag darauf ausgelegt, mehrere Sekunden lang prall zu bleiben, um die Insassen durch die vielfachen Stöße eines Überschlags hindurch zu schützen.
Der gebotene Schutz ist zweifach. Indem er den Kopf gegen die Fensteröffnung und die Säulen abpolstert, senkt er deutlich das Risiko von Schädelbrüchen und schweren Hirnverletzungen, die das Verletzungsbild bei Seitenkollisionen dominieren. Bei einem Überschlag bildet er zudem eine Barriere über der Fensteröffnung, die verhindern hilft, dass Insassen – besonders nicht angegurtete – teilweise oder ganz herausgeschleudert werden, ein Szenario mit sehr hoher Sterblichkeit.
Vorhangairbags sind meist Teil eines mehrstufigen Seiten-Rückhaltepakets. Sitz- oder türmontierte Seitenairbags entfalten sich daneben, um Rumpf und Becken abzuschirmen, während der Vorhang sich auf den Kopf konzentriert. Die Abdeckung ist über die Jahre von den Vordersitzen allein auf durchgehende Säcke gewachsen, die beide Reihen schützen, und manche Fahrzeuge ergänzen heute Centerairbags, damit die vorderen Insassen nicht zusammenstoßen. Die Auslösung ist mit den Gurtstraffern abgestimmt, die im selben Moment den Gurtlose herausnehmen, um den Körper richtig zu den Polstern zu positionieren.
Einige praktische Punkte sind zu beachten. Vorhangairbags sind Einmalprodukte und müssen nach der Auslösung samt Gasgeneratoren und oft auch dem Dachhimmel ersetzt werden. Nachträgliche Schiebedach- oder Verkleidungsumbauten können ihren Entfaltungsweg behindern, und dachmontiertes Zubehör sollte die Entfaltungszone respektieren. Sie sind darauf abgestimmt, im Zusammenspiel mit einem korrekt angelegten Sicherheitsgurt zu wirken; ein nicht angegurteter Insasse kann aus dem Schutzbereich des Sacks geschleudert werden, bevor dieser helfen kann.
Innerhalb des umfassenderen Rückhaltesystems ergänzen Window-Airbags die Front- und Seitenairbags, die Gurtstraffer und die energieabsorbierenden Knautschzonen der Karosserie und bilden den Teil des Rückhaltenetzes, der gezielt auf Seiten- und Überschlagunfälle ausgerichtet ist.
- Entfalten sich vom Dachrahmen herab über die Seitenscheiben
- Schützen die Köpfe der Insassen bei Seitenaufprall und Überschlag
- Helfen, Insassen beim Überschlag im Fahrzeug zu halten
- Wirken mit sitzmontierten Seitenairbags zusammen, die den Rumpf schützen