Vehicle-to-Load, kurz V2L, ist die einfachste und zugänglichste Form der bidirektionalen Stromabgabe aus einem Elektrofahrzeug. Sie lässt das Auto als großen tragbaren Akku wirken, der gewöhnlichen Netzstrom über eine haushaltsübliche Steckdose direkt an externe Geräte und Werkzeuge liefert. Statt ein Gebäude oder das Netz zu speisen, versorgt V2L einzelne Verbraucher, die direkt am Auto angeschlossen werden, weshalb man es oft mit einer riesigen mobilen Powerbank auf Rädern vergleicht.
Die Funktion bezieht Energie aus der Hochvolt-Antriebsbatterie, führt sie über einen Wechselrichter, der herkömmlichen Wechselstrom mit der ortsüblichen Netzspannung und -frequenz erzeugt, und stellt sie an einer oder mehreren Steckdosen bereit. Bei manchen Fahrzeugen sitzt die Steckdose im Innenraum oder im Kofferraum, andere bieten einen Adapter, der in den Ladeanschluss gesteckt wird und eine Schuko-Steckdose bereitstellt. Die Leistung liegt üblicherweise zwischen zwei und rund dreieinhalb Kilowatt, genug, um mehrere anspruchsvolle Verbraucher gleichzeitig zu betreiben, und da eine Antriebsbatterie Dutzende Kilowattstunden speichert, lässt sich diese Last über viele Stunden aufrechterhalten.
Der praktische Reiz von V2L liegt darin, dass es keinerlei besondere Installation erfordert. Es braucht keine bidirektionale Wallbox, keinen Umschalter und keine Elektrofachkraft; die Fähigkeit steckt im Auto und ist ab dem Kauf einsatzbereit. Das macht sie ausgesprochen vielseitig. Camper betreiben Kühlbox, Wasserkocher, Beleuchtung und Laptops; Handwerker versorgen Sägen, Bohrmaschinen und Kompressoren an Orten ohne Netzanschluss; und Haushalte halten Gefriertruhe, Router und einige Lampen durch einen kurzen Stromausfall am Laufen. Sogar von Auto zu Auto wurde V2L schon genutzt, um einem leeren Elektroauto eine bescheidene Nothilfe zu geben.
Der Preis für diesen Komfort ist der Wirkungsumfang. V2L versorgt nur das, was direkt angeschlossen ist; es speist weder die feste Hausinstallation noch das Netz, und genau das unterscheidet es von den leistungsfähigeren, aber komplexeren Systemen Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid. Es gibt keine automatische Umschaltung, sodass es einen Haushalt bei einem Ausfall nicht nahtlos übernehmen kann wie V2H, und die verfügbare Gesamtleistung wird durch die Auslegung der Steckdose begrenzt, nicht durch die Größe der Batterie.
Für die meisten Eigentümer sind diese Grenzen angesichts des vernachlässigbaren Aufwands und der geringen Kosten durchaus angemessen, und V2L ist über alle Preisklassen hinweg zu einem beliebten Verkaufsargument für immer mehr Elektroautos geworden. Sinnvoller Gebrauch heißt, die Batterie im Auge zu behalten, denn Energie, die in Geräte fließt, fehlt zum Fahren, und viele Autos lassen den Eigentümer eine Reserve festlegen, unter der die Funktion abschaltet. Innerhalb der breiteren Familie der bidirektionalen Techniken, die alle dieselbe Hochvoltbatterie nutzen, ist V2L der Einstieg: am einfachsten zu bedienen, am anspruchslosesten in der Installation und für den Alltag oft der nützlichste.
- Versorgt gewöhnliche Geräte über eine Netzsteckdose aus dem Elektroauto
- Keine besondere Hausinstallation erforderlich
- Betreibt leistungsstarke Verbraucher über Stunden
- Einfacher als V2H/V2G – speist weder Gebäude noch Netz