Der Geschwindigkeitsindex ist ein genormter Buchstabencode, der in die Reifenflanke eingeprägt ist und die Höchstgeschwindigkeit bescheinigt, die der Reifen unter der ihm zugeordneten Last dauerhaft sicher aushält. Notwendig wird diese Kennzeichnung, weil ein Reifen kein statisches Bauteil ist: Bei Fahrt verformt und walkt er sich mit jeder Umdrehung und erwärmt sich dabei. Oberhalb einer bestimmten Geschwindigkeit kann der Wärmeeintrag das Abführvermögen des Reifens übersteigen, was zu Laufflächenablösung oder einem Reifenplatzer führt. Der Index ist deshalb eine in kontrollierten Prüfungen ermittelte Sicherheitsgrenze und keine Empfehlung, tatsächlich so schnell zu fahren; er ist Teil desselben gesetzlichen Typgenehmigungsrahmens, der den Reifenaufbau in Europa und in den meisten anderen Märkten regelt.
Der Buchstabe steht als letztes Zeichen der Betriebskennung, die auf die Größenangabe folgt. In einer Bezeichnung wie 205/55 R16 91V ist die Zahl 91 der Lastindex und das nachfolgende V das Geschwindigkeitssymbol. Um einen bestimmten Index zu erreichen, läuft der Reifen auf einer Prüftrommel in festgelegten Stufen mit immer höherer Geschwindigkeit, jede Stufe über eine vorgegebene Zeit gehalten, bis die Zielgeschwindigkeit ohne Versagen erreicht ist. Die Buchstaben sind festen Geschwindigkeiten zugeordnet: T entspricht 190 km/h, H 210 km/h, V 240 km/h, W 270 km/h und Y 300 km/h, ergänzt um eine lange Reihe niedrigerer Symbole wie Q, R und S für Winter- und Nutzfahrzeugreifen. Die Reihenfolge ist nicht streng alphabetisch, eine Eigenheit, die aus der historischen Entwicklung des Systems über die Jahrzehnte stammt.
Für den Halter ist der Index vor allem in Bezug auf Vorschriften und Leistungsfähigkeit von Bedeutung. Die Fahrzeughersteller geben für jedes Modell in der Betriebsanleitung und auf dem Türaufkleber einen Mindest-Geschwindigkeitsindex vor, der so gewählt ist, dass er die Höchstgeschwindigkeit des Wagens deutlich übertrifft und zu dessen Gewicht und Fahrverhalten passt. Ein Reifen, der diese Anforderung erfüllt oder übertrifft, erhält die vorgesehene Sicherheitsreserve, während ein niedriger eingestufter Reifen unzulässig sein kann, den Versicherungsschutz gefährdet und heißer läuft als konstruktiv vorgesehen. Höher eingestufte Reifen verwenden zudem oft steifere Konstruktionen und griffigere Mischungen, was das Lenkverhalten direkter machen kann.
Der Index ist eng an den danebenstehenden Lastindex gebunden, denn die bescheinigte Geschwindigkeit gilt nur bei der angegebenen Last; mehr Gewicht senkt die sicher fahrbare Geschwindigkeit faktisch ab. Winterreifen tragen eigene, oft niedrigere Indizes, und in vielen Ländern ist die Montage eines reduzierten Winterindex zulässig, sofern ein Hinweisaufkleber im Fahrzeug an die niedrigere Grenze erinnert. Runflat- und Ganzjahresreifen folgen demselben Schema. Ein praktischer Vorbehalt ist, dass der Index einen Reifen in gutem Zustand und mit korrektem Luftdruck voraussetzt; Unterdruck, Alter, Beschädigung oder Überladung zehren an der Reserve, die der Buchstabe garantieren soll, sodass das Symbol ein geprüftes Potenzial beschreibt und kein Versprechen bei Vernachlässigung.
- Ein Buchstabe für die dauerhaft sicher fahrbare Höchstgeschwindigkeit des Reifens
- Z. B. T=190, H=210, V=240, W=270, Y=300 km/h
- Das letzte Zeichen der Größenkennung auf der Flanke (z. B. 91V)
- Muss die Vorgabe des Fahrzeugherstellers erfüllen oder übertreffen