Der Geschwindigkeitsindex ist ein genormter Kennbuchstabe auf der Reifenflanke, der die maximale Dauergeschwindigkeit zertifiziert, bei der ein Reifen unter seiner zulässigen Last noch sicher betrieben werden darf. Eine solche Kennzeichnung ist nötig, weil ein Reifen kein bloßer Gummiring ist, sondern ein sorgfältig konstruierter Verbund aus Karkassenlagen, Stahlgürtel und Laufflächenmischung, der bei jeder Walkbewegung Wärme erzeugt. Je schneller er sich dreht, desto stärker steigt die Wärmeentwicklung und desto größer werden die Fliehkräfte, die die Lauffläche von der Karkasse zu reißen versuchen – jede Bauart besitzt deshalb eine festgelegte Grenze, oberhalb derer ein struktureller Defekt wahrscheinlich wird.
Festgelegt wird der Index in einem kontrollierten Prüfstandsversuch, bei dem ein belasteter Reifen über festgelegte Zeitabschnitte mit stufenweise steigender Geschwindigkeit gegen eine große Prüftrommel läuft. Er muss seine Nenngeschwindigkeit ohne Ablösungen, Blasenbildung oder Verlust der Festigkeit überstehen. Der ermittelte Buchstabe wird als Teil der Betriebskennung in die Flanke eingeprägt, und zwar unmittelbar hinter der Tragfähigkeitskennzahl. Eine Kennzeichnung wie 91V steht somit für den Lastindex 91 in Verbindung mit dem Geschwindigkeitssymbol V. Gängige Kennbuchstaben sind T für 190 km/h, H für 210, V für 240, W für 270 und Y für 300 km/h, wobei das historisch aus der Reihe fallende H aus Gründen der früheren Normung zwischen U und V steht.
Für den Halter ist der Index deshalb wichtig, weil er den vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Wert erreichen oder übertreffen muss – ein Wert, der mit Sicherheitsreserve auf die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs abgestimmt ist. Reifen mit einem niedrigeren Index als vorgeschrieben können die Stabilität und das Fahrverhalten bei hohem Tempo beeinträchtigen; in Deutschland ist eine Unterschreitung der Herstellervorgabe zudem nicht zulässig und kann bei der Hauptuntersuchung beanstandet werden sowie im Schadensfall den Versicherungsschutz gefährden. Der Index korreliert außerdem mit dem Charakter des Reifens, da höher eingestufte Reifen meist steifere Konstruktionen und griffigere Mischungen verwenden, die das Fahrverhalten schärfen, dafür aber Komfort, Laufleistung und Nässeeigenschaften etwas einbüßen.
Das System entstand in Europa und gilt heute über Normungsgremien wie die ETRTO und die entsprechenden amerikanischen Organisationen weltweit, sodass ein V-Reifen überall dasselbe bedeutet. Zu beachten ist, dass der Index eine maximale Dauerbelastbarkeit unter Idealbedingungen beschreibt, nicht eine empfohlene Reisegeschwindigkeit, und dass er nur bei korrektem Luftdruck, unbeschädigtem Reifen und ohne Überlast gilt. Zu niedriger Druck, Alterung, Beschädigung oder eine Beladung über den Lastindex hinaus zehren die tatsächliche Reserve auf.
Der Geschwindigkeitsindex arbeitet Hand in Hand mit der Tragfähigkeitskennzahl; beide zusammen bilden die Betriebskennung, die den sicheren Einsatzbereich eines Reifens definiert. Er steht zudem in Wechselwirkung mit Bauartmerkmalen wie Ganzjahres- oder Notlaufreifen, die ihre eigenen Geschwindigkeitssymbole tragen. Beim Reifenwechsel gilt die vernünftige Regel, den Originalwert zu erreichen oder zu übertreffen, an einer Achse Reifen gleicher Einstufung zu montieren und niemals anzunehmen, ein höherer Wert allein mache einen Reifen für den Alltag automatisch besser.
- Kennbuchstabe für die maximal sicher dauerhaft fahrbare Geschwindigkeit eines Reifens
- Z. B. T=190, H=210, V=240, W=270 km/h
- Muss die Herstellervorgabe des Fahrzeugs erreichen oder übertreffen
- Steht mit dem Lastindex auf der Flanke (z. B. 91V)