Als Shooting Brake bezeichnet man eine in Kleinserie gefertigte, stark vom Design getriebene Karosserieform, die das lange Dach und die Heckklappe eines Kombis auf ein Fahrzeug mit den Proportionen und dem Anspruch eines Coupés überträgt. Daraus entsteht eine Zwei-Box-Silhouette, die die flache Motorhaube, die stark geneigte Windschutzscheibe und die niedrige Haltung eines Sportwagens bewahrt und zugleich einen nutzbaren, geschlossenen Gepäckraum hinter der Fahrgastzelle gewinnt. Die Bauform existiert vor allem, um zwei sonst widersprüchliche Wünsche zu vereinen: die optische Dramatik eines Coupés und die Alltagstauglichkeit beim Transport sperriger Lasten, von Hunden oder Sportausrüstung. Weil sich ein Shooting Brake nur selten in großen Stückzahlen verkauft, ist er fast immer im Premium- und Maßanfertigungssegment angesiedelt und nicht im Massenmarkt.
Das prägende Merkmal ist die Architektur von Dachlinie und Heck. Während eine Limousine oder ein Fließheck zu einem separaten Kofferraum hin ausläuft, zieht der Shooting Brake das Dach in einem langen, oft sanft abfallenden Bogen nach hinten, der in einer oben angeschlagenen, vollwertigen Heckklappe mündet. Dahinter öffnet sich ein ebener oder nahezu ebener Ladeboden, und in den meisten modernen Auslegungen lassen sich die Rücksitze umklappen, um ihn zu verlängern. Traditionell war die Karosserie dreitürig ausgelegt, mit zwei langen Fondtüren und der Heckklappe, doch einige neuere Modelle dehnen die Definition aus, indem sie unter dem verlängerten Dach eine coupéhaft gezeichnete viertürige Silhouette verwenden. Die technische Plattform wird in der Regel mit einer Limousine oder einem Coupé geteilt und nicht eigens entwickelt.
Für den Besitzer liegt der Reiz in einem Fahrzeug, das wie eine sportliche Maschine fährt und aussieht, aber weit mehr schluckt als seine Coupé-Verwandten. Eine niedrige Dachlinie und individuelle Detaillierung grenzen es optisch klar vom gewöhnlichen Kombi ab, und genau darin liegt ein Großteil des Reizes: Käufer wählen ihn ebenso sehr als Statement wie wegen des Stauraums. Für die Hersteller bietet er die Möglichkeit, eine prestigeträchtige Sonderversion hinzuzufügen und eine Coupé-Baureihe zu erweitern, ohne die Kosten einer völlig neuen Plattform zu tragen.
Der Name ist tatsächlich historisch belegt. Im England des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war ein Brake ein schwerer Wagen, mit dem Pferde eingefahren wurden, und ein Shooting Brake ein Fahrzeug, das eine Jagdgesellschaft samt Hunden, Gewehren und erlegtem Wild über das Landgut beförderte. Als Automobile die Kutschen ablösten, übertrugen Karosseriebauer den Begriff auf langdachige Umbauten sportlicher Fahrgestelle, die für eben diese ländlichen Vergnügungen gebaut wurden, und die Bezeichnung blieb erhalten, auch als die praktische Jagdfunktion verschwand.
In der Praxis bleibt der Shooting Brake eine Nischenkuriosität. Sein Laderaum ist zwar größer als der eines Coupés, erreicht aber selten den eines konventionellen Kombis gleicher Grundfläche, weil die abfallende Dachlinie Höhe über dem Kofferraum kostet. Aus demselben Grund können Kopffreiheit und Zugang im Fond leiden, und die aufwendige Karosserie geht meist mit einem Preisaufschlag einher. Am besten versteht man ihn als Geschwister des Kombis und als nahen Verwandten von Coupé und Fließheck, der die seltene Schnittmenge zwischen sportlicher Form und Kombi-Funktion besetzt.
- Sportliches Coupé oder Zweitürer, zur Kombiform verlängert
- Langes Dach und Heckklappe schaffen Stauraum ohne Kombi-Optik
- Der Name stammt von Fahrzeugen für Jagdgesellschaften
- Nischenprodukt, designgetrieben und meist im Premiumsegment