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06 — Glossar
Getriebe und Antriebsstrang

Overdrive (Schongang)

Ein Overdrive ist ein Gang mit einer Übersetzung unter 1:1, der den Motor langsamer als die Antriebswelle drehen lässt und so entspanntes, sparsames Fahren ermöglicht.

Kategorie
Getriebe und Antriebsstrang
Verwandte Begriffe
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Definition

Als Overdrive oder Schongang bezeichnet man jeden Gang, dessen Übersetzung rechnerisch unter 1:1 liegt, dessen Getriebeabtriebswelle sich also schneller dreht als die Eingangswelle. In der Praxis dreht der Motor langsamer als die Kardanwelle oder die angetriebenen Räder, sodass ein Fahrzeug auf der Autobahn ein hohes Reisetempo halten kann, während sich die Kurbelwelle mit vergleichsweise geringer Drehzahl dreht. Das Prinzip dient dazu, die historische Kopplung von Fahr- und Motordrehzahl aufzubrechen: Ohne einen Schongang müsste der Motor auf freier Strecke mit hoher Drehzahl laufen und dabei mehr Kraftstoff verbrauchen und schneller verschleißen als nötig.

Mechanisch lässt sich der Overdrive auf zwei Wegen umsetzen. Der ursprüngliche Ansatz, von den 1930er- bis in die 1980er-Jahre verbreitet, war eine separate Planetengetriebeeinheit hinter dem Hauptgetriebe, die über einen Magnet- oder Elektroschalter zugeschaltet wurde und auf die oberen ein oder zwei Gänge wirkte. Ein Planetenradsatz, durch eine hydraulische Kupplung und ein Bremsband gesperrt oder freigegeben, übersetzte die Abtriebsdrehzahl über die Eingangsdrehzahl hinaus. Der moderne Ansatz legt schlicht den obersten Gang oder die obersten Gänge des Hauptgetriebes mit einer Übersetzung unter 1:1 aus, sodass die Funktion integriert statt angebaut ist; ein Sechsganggetriebe kann etwa einen fünften Gang um 0,85:1 und einen sechsten um 0,65:1 haben.

Die Vorteile sind leiseres, kultivierteres und sparsameres Fahren. Senkt man die Motordrehzahl bei konstant 110 km/h beispielsweise von 3.500 auf 2.200 U/min, verringern sich Reibungsverluste, Ladungswechselarbeit und Geräusch, was den Autobahnverbrauch merklich senken und die Ermüdung auf langen Strecken mindern kann. Zudem reduziert es über die Lebensdauer des Fahrzeugs den Motorverschleiß, da je gefahrenem Kilometer weniger Umdrehungen anfallen.

Der Nachteil betrifft das Drehmoment. Da die Übersetzung Geschwindigkeit auf Kosten der Zugkraft vervielfacht, lässt ein Schongang kaum Reserven für Beschleunigung oder Steigungen. Verlangt man dem Fahrzeug an einer Steigung im Overdrive das Anziehen ab, quält sich der Motor, weshalb der Gang von selbst herausfällt, beim Schaltgetriebe durch den Fahrer und bei der Automatik per Kickdown, sobald zügige Beschleunigung oder eine steile Steigung mehr Zugkraft erfordern. Bei älteren Systemen mit separater Einheit war der Overdrive in den unteren Gängen aus genau diesem Grund meist gesperrt.

Das Verständnis des Overdrive erhellt mehrere verwandte Begriffe. Er ist ein Bestandteil der gesamten Spreizung der Übersetzungen eines Fahrzeugs und legt zusammen mit der Achsübersetzung des Differenzials die Motordrehzahl bei gegebenem Tempo fest. Moderne Acht-, Neun- und Zehnganggetriebe enthalten faktisch mehrere Schongänge und ermöglichen sehr langbeiniges Reisen, während stufenlose Getriebe denselben entspannten Effekt ohne feste Stufen erzielen. In jedem Fall bleibt der zugrunde liegende Zweck der historische: den Motor sparsam dahinlaufen zu lassen, sobald das Fahrzeug auf Tempo ist.

Wichtige Punkte
  • Eine Übersetzung unter 1:1 — der Motor dreht langsamer als die Antriebswelle
  • Senkt die Motordrehzahl für leises, sparsames Reisen
  • Heute als langer oberster Gang moderner Getriebe integriert
  • Bietet wenig Drehmoment; fällt bei kräftiger Beschleunigung oder Steigung heraus
Auch bekannt als
overdrive gearOD