Kompressor ist der Handelsname, den Mercedes-Benz seinen aufgeladenen Ottomotoren gab, und das Wort ist schlicht die deutsche Bezeichnung für einen Verdichter. Es benennt einen mechanisch angetriebenen Lader und keine eigenständige Konstruktion des Hauses, und es prangte als Schriftzug am Heck, um Modelle mit Aufladung kenntlich zu machen. Mercedes verwendete den Namen von den 1990er bis in die 2000er Jahre über eine breite Modellpalette hinweg, von kompakten Limousinen bis zu Sportwagen, und belebte damit eine Bezeichnung wieder, die der Konzern schon vor dem Zweiten Weltkrieg für seine aufgeladenen Wagen geführt hatte.
Hinter dem Schriftzug steht die Technik des Kompressorladers, eines Verdichters, der mehr Luft in den Motor presst, als dieser unter Atmosphärendruck allein ansaugen könnte. Entscheidend ist, dass er mechanisch über einen Riemen von der Kurbelwelle angetrieben wird und sich somit direkt proportional zur Motordrehzahl dreht. Darin liegt der wesentliche Unterschied zum Turbolader, der von den Abgasen des Motors angetrieben wird. Da der Kompressor mit dem Motor verkoppelt ist, beginnt er im selben Augenblick zu verdichten, in dem sich der Motor dreht, und die meisten Mercedes-Kompressoren nutzten dafür ein Lader nach Roots-Bauart oder, in einigen Anwendungen, einen Schraubenlader.
Der praktische Reiz dieser Anordnung liegt im Ansprechverhalten. Ein riemengetriebener Kompressor liefert den Ladedruck sofort und baut ihn gleichmäßig und vorhersehbar mit dem Öffnen der Drosselklappe auf, frei von jener kurzen Verzögerung — dem Turboloch —, die einen Turbomotor plagt, während sein abgasgetriebenes Laufrad erst hochläuft. Das Ergebnis ist kräftiges, lineares Drehmoment schon aus niedrigen Drehzahlen und ein spontanes, unmittelbares Gefühl, das zum gelassenen, kultivierten Charakter passte, den Mercedes anstrebte. Wie bei jeder Aufladung ist die verdichtete Luft heiß, weshalb eine Kompressoranlage mit einem Ladeluftkühler kombiniert wird, um die Ladung zu kühlen, ihre Dichte wiederherzustellen und das Klopfen abzuwehren.
Die Schwäche des Kompressors ist die Kehrseite seiner Stärke. Da er direkt vom Motor angetrieben wird, zehrt er einen Teil der eigenen Motorleistung auf, um die Luft zu verdichten — ein parasitärer Verlust, der mit Ladedruck und Drehzahl wächst. Ein Turbolader hingegen gewinnt Energie aus dem Abgas zurück, die sonst ungenutzt verloren ginge, und ist damit von Natur aus effizienter. Als die Hersteller unter wachsenden Druck gerieten, Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxidausstoß zu senken, erwies sich dieser Effizienzunterschied als entscheidend.
Aus diesem Grund verabschiedete sich Mercedes-Benz im Laufe der späten 2000er und 2010er Jahre schrittweise vom Kompressor zugunsten der Turboaufladung, und der Schriftzug verschwand weitgehend, als das Ottomotorenprogramm des Hauses auf Turbomotoren umstieg, die vergleichbare oder höhere Leistung bei besserem Verbrauch boten. Der Name lebt heute vor allem an älteren Modellen und als Stück Motorenvokabular fort — eine Erinnerung an eine Zeit, in der das spontane Ansprechen des Kompressors höher geschätzt wurde als die Sparsamkeit des Turboladers, und ein nützlicher Gegenpol zu den Saugmotoren, die gar keinen Verdichter benötigen.
- Markenbezeichnung von Mercedes-Benz für einen aufgeladenen Motor
- Deutsches Wort für "Verdichter"
- Riemengetriebener Lader — spontanes Ansprechen, kein Turboloch
- Weitgehend aus Effizienzgründen durch Turboaufladung ersetzt