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06 — Glossar
Fahrwerk, Bremsen und Reifen
4WS

Allradlenkung (4WS)

Die Allradlenkung (4WS) lenkt zusätzlich zu den Vorderrädern auch die Hinterräder, verkleinert den Wendekreis bei niedrigem Tempo und verbessert die Stabilität bei hohem Tempo.

Kategorie
Fahrwerk, Bremsen und Reifen
Verwandte Begriffe
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Im Glossar
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Definition

Die Allradlenkung, auch Hinterachslenkung genannt, ist eine Fahrwerkstechnik, bei der nicht nur die Vorderräder gelenkt werden, sondern auch die Hinterräder, statt diese bloß passiv nachlaufen zu lassen. Herkömmliche Fahrzeuge lenken allein über die Vorderachse, was einen Kompromiss erzwingt: Ein langer Radstand sorgt für Stabilität und komfortablen Federungskomfort, ergibt aber einen großen Wendekreis, während ein kurzer wendig, bei hohem Tempo jedoch nervös ist. Durch einen kleinen Lenkeinschlag an der Hinterachse können Konstrukteure diesen Zielkonflikt durchbrechen und einem großen Fahrzeug die Wendigkeit eines kleineren bei niedrigem Tempo verleihen, ohne die Gelassenheit bei hohem Tempo einzubüßen.

Das kennzeichnende Verhalten besteht darin, dass die Hinterräder bei niedrigem Tempo gegensinnig zu den Vorderrädern einschlagen. Zeigen die Hinterräder in die entgegengesetzte Richtung, dreht sich das Fahrzeug faktisch um einen Punkt, der viel näher an seiner Mitte liegt, wodurch sich der Wendekreis drastisch verkleinert und enge Manöver, Einmündungen und das Einparken deutlich leichter fallen. Oberhalb einer Schwellengeschwindigkeit kehrt das System seine Logik um und lenkt die Hinterräder gleichsinnig zu den Vorderrädern. Schlagen alle vier Räder gemeinsam ein, verschiebt sich das gesamte Fahrzeug bei einem Spurwechsel oder Autobahnmanöver sauberer zur Seite, was die Giergierverzögerung und das unruhige Gefühl mindert, das ein langes Fahrzeug sonst zeigen kann.

Frühe Umsetzungen der 1980er-Jahre, vor allem von Honda und Mazda, bewegten die Hinterräder über mechanische oder hydraulische Gestänge nach einem festen, an Lenkwinkel oder Geschwindigkeit gekoppelten Schema. Moderne Systeme arbeiten elektronisch gesteuert und nutzen einen oder zwei kompakte elektrische Aktuatoren an der Hinterachse, sodass sich der hintere Lenkwinkel stufenlos auf Geschwindigkeit, Lenkgeschwindigkeit und Stabilitätsdaten abstimmen lässt. Die Hinterräder bewegen sich meist nur um wenige Grad, da schon ein bescheidener Winkel das Fahrverhalten ausgeprägt beeinflusst.

Am augenfälligsten sind die Vorteile an den Extremen des Geschwindigkeitsbereichs. Im Stadtverkehr ist der engere Wendekreis bei großen Limousinen, SUVs und Sportwagen, deren lange Radstände sie sonst schwerfällig machen würden, von echtem Nutzen. Bei hohem Tempo schärft die zusätzliche Stabilität das Ansprechverhalten und schafft Vertrauen, weshalb die Technik sowohl bei Luxusmodellen als auch bei sportlichem Gerät auftaucht.

Es gibt Kosten und Einschränkungen. Die Hardware an der Hinterachse, die Sensoren und die Software bringen Gewicht, Aufwand und zusätzliche Ausfallstellen mit sich, und ein schlecht abgestimmtes System kann künstlich wirken oder die Reaktionen des Fahrzeugs an der Umschaltgeschwindigkeit schwerer vorhersehbar machen. Es ist auch zu unterscheiden von der Hinterachslenkung, die beiläufig durch die Nachgiebigkeit der Fahrwerkslager entsteht. Die Allradlenkung ergänzt die Vorderachslenkung, statt sie zu ersetzen, und wirkt gemeinsam mit der elektrischen Servolenkung und dem Fahrwerk daran mit, das Einlenken über den gesamten Betriebsbereich zu formen.

Wichtige Punkte
  • Lenkt zusätzlich zu den Vorderrädern auch die Hinterräder
  • Hinten gegensinnig zu vorn bei niedrigem Tempo für enge Wendekreise
  • Hinten gleichsinnig zu vorn bei hohem Tempo für Stabilität
  • Gleichbedeutend mit Hinterachslenkung
Auch bekannt als
rear wheel steeringfour-wheel steeringrear-wheel steering4-wheel steering