Startseite/Auto-Glossar/Elektronische Bremskraftverteilung (EBV)
06 — Glossar
ADAS und Sicherheit
EBD

Elektronische Bremskraftverteilung (EBV)

Die elektronische Bremskraftverteilung (EBV) passt die an jedes Rad gesendete Bremskraft selbsttätig an, um den kürzesten und stabilsten Anhalteweg zu erreichen.

Kategorie
ADAS und Sicherheit
Verwandte Begriffe
4
Im Glossar
#145 von 389
Definition

Die elektronische Bremskraftverteilung, kurz EBV, ist der Teil eines modernen Bremssystems, der festlegt, wie viel der verfügbaren Bremskraft an jedes einzelne Rad gelangen soll. Sie existiert, weil ein Fahrzeug nie vollkommen ausgewogen ist: Beim Bremsen verlagert sich das Gewicht nach vorn, ein beladener Kofferraum oder besetzte Rücksitze verändern die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse, und der an jedem Reifen verfügbare Grip schwankt mit dem Fahrbahnzustand. Würde überall der gleiche Druck aufgebracht, blockierten die gering belasteten Räder zu früh oder der Grip der stark belasteten bliebe ungenutzt; daher passt die EBV den Druck fortlaufend an die jeweiligen Bedingungen an.

Das System baut auf derselben Hardware wie das Antiblockiersystem auf. Drehzahlsensoren an jedem Rad speisen das Steuergerät, das vergleicht, wie schnell jedes Rad im Verhältnis zur Gesamtgeschwindigkeit des Fahrzeugs verzögert. Ein Rad, das stärker verzögert als die übrigen, nähert sich dem Blockieren, weil es weniger Last oder Grip hat; der Hydraulikmodulator senkt daraufhin über seine Ventile den Druck an diesem Rad und hält es knapp unterhalb der Schlupfgrenze. Dies geschieht viele Male pro Sekunde, weit vor dem vollständigen ABS-Regelzyklus, den eine Notbremsung auslösen würde.

Die praktische Wirkung ist ein kürzerer, geraderer und stabilerer Anhalteweg. Indem die EBV jeden Reifen an der Grenze seines individuellen Grips arbeiten lässt statt am kleinsten gemeinsamen Nenner, holt sie mehr Verzögerung aus der verfügbaren Reibung heraus. Ebenso wichtig ist, dass sie verhindert, dass die Hinterräder vor den Vorderrädern blockieren – ein Zustand, der das Fahrzeug instabil und ausbruchgefährdet machen würde. Im Ergebnis bleibt das Fahrzeug beherrschbar und spurtreu, selbst bei starkem Bremsen auf unebenem Untergrund oder bei seitenweise unterschiedlichem Grip.

Früher wurde die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse mechanisch durch ein lastabhängiges Bremsdruckminderventil eingestellt, häufig mit der Hinterachsfederung verbunden. Die EBV ersetzte diese grobe Lösung durch elektronische Präzision, und moderne Systeme erweitern dieselbe Logik auf die Seiten, indem sie Kurvenkräfte und Fahrbahnen berücksichtigen, auf denen eine Fahrzeugseite mehr Grip hat als die andere. Da sie Sensoren und Modulator des ABS mitnutzt, fügt sie diese Fähigkeit mit sehr geringem Mehraufwand hinzu, weshalb sie heute bei Neuwagen praktisch überall verbaut ist.

Für den Fahrer arbeitet die EBV vollständig im Hintergrund und erfordert weder Eingaben noch Wartung, abgesehen davon, Bremsanlage und Reifen in gutem Zustand zu halten; eine Störung wird in der Regel über dieselbe Warnleuchte angezeigt, die auch das ABS überwacht. Sie versteht sich am besten als eine Schicht innerhalb eines abgestimmten Brems- und Stabilitätsverbunds: Sie wirkt mit dem Bremsassistenten zusammen, der den Pedaldruck bei einer Notbremsung verstärkt, und teilt sich die Sensoren mit der Antriebsschlupfregelung und dem elektronischen Stabilitätsprogramm – wobei Letzteres gezieltes Bremsen einzelner Räder nutzt, um Schleudern zu korrigieren, und nicht nur, um eine Bremsung in der Geraden zu optimieren.

Wichtige Punkte
  • Verteilt die Bremskraft je Rad für eine optimale Balance
  • Passt sich an Beladung, Gewichtsverlagerung und verfügbaren Grip an
  • Verkürzt den Anhalteweg und hält das Fahrzeug stabil und spurtreu
  • Eine Erweiterung des ABS innerhalb des Bremssicherheitsverbunds
Auch bekannt als
EBDelectronic brakeforce distributionEBV