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06 — Glossar
Getriebe und Antriebsstrang
EDL

Elektronische Differenzialsperre (EDS)

Die elektronische Differenzialsperre (EDS) bremst ein durchdrehendes Antriebsrad ab, sodass das Drehmoment zum Rad mit Grip umgeleitet wird, und ahmt so ein Sperrdifferenzial nach.

Kategorie
Getriebe und Antriebsstrang
Verwandte Begriffe
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Definition

Die elektronische Differenzialsperre, abgekürzt EDS, ist eine Traktionshilfe, die die größte Schwäche eines offenen Differenzials angeht: dessen Neigung, das gesamte verfügbare Drehmoment zu jenem Antriebsrad zu schicken, das den geringsten Grip hat. Beginnt ein Rad auf Eis, Schlamm oder lockerem Randstreifen nutzlos durchzudrehen, lässt ein offenes Differenzial es schneller drehen, während das Rad mit Haftung kaum noch Antrieb erhält. Die EDS existiert, um dem entgegenzuwirken, ohne ein mechanisches Sperrdifferenzial in die Achse einbauen zu müssen.

Das System arbeitet, indem es die ohnehin vorhandene Ausstattung des Antiblockiersystems nutzt. Raddrehzahlsensoren überwachen fortlaufend, wie schnell sich jedes Rad dreht, und erkennt die Steuerung, dass sich ein Antriebsrad deutlich schneller dreht als sein Gegenstück, was auf einen Traktionsverlust hindeutet, weist sie das Hydraulikaggregat des ABS an, einen dosierten Bremsdruck auf dieses durchdrehende Rad aufzubringen. Das Abbremsen des schlupfenden Rades erhöht den Widerstand, den es bietet, und aufgrund der Art, wie ein Differenzial das Drehmoment zwischen seinen beiden Abtrieben ausgleicht, erzwingt dies eine entsprechende Steigerung des Drehmoments zum Rad, das noch Grip hat. Das Fahrzeug wird so vom haftenden Rad vorwärtsgezogen, statt vom durchdrehenden festgehalten zu werden.

Der Reiz der EDS liegt darin, wie viel sie mit wie wenig erreicht. Sie ahmt das Verhalten eines mechanischen Sperrdifferenzials nach, indem sie das Drehmoment dorthin lenkt, wo es genutzt werden kann, fügt der Achse jedoch keine zusätzlichen Zahnräder, Kupplungen oder Gewicht hinzu, da sie sich vollständig auf Komponenten stützt, die das Fahrzeug ohnehin für ABS und Stabilitätskontrolle mitführt. Das macht sie günstig in der Umsetzung und folglich nahezu allgegenwärtig in modernen Fahrzeugen, besonders bei Autos mit Frontantrieb, die beim Beschleunigen aus einer Einmündung dazu neigen, das kurveninnere Rad durchdrehen zu lassen.

Volkswagen hat die Grundidee zu einer kurvenorientierten Variante namens XDS weiterentwickelt, die das kurveninnere Vorderrad in einer Biegung leicht abbremst, um das Einlenken zu schärfen und Untersteuern zu dämpfen, und damit die Grenze zwischen Traktionshilfe und Fahrwerksverbesserung verwischt. Andere Hersteller bieten vergleichbare Funktionen unter eigenen Bezeichnungen an, und das Prinzip liegt der breiteren Familie der automatischen Bremsdifferenziale zugrunde.

Einige Grenzen sind zu beachten. Da die EDS über die Bremsen wirkt, erzeugt dauerhafter Einsatz Wärme, weshalb das System im Allgemeinen für kurze Eingriffe zum Wiederherstellen der Traktion gedacht ist und nicht für anhaltendes Durchdrehen bei festgefahrenem Fahrzeug; es regelt sich zurück, um die Bremsen vor Überhitzung zu schützen. Auch kann es den unermüdlichen Drehmomentübertrag einer echten Differenzialsperre unter extremen Geländebedingungen nicht erreichen. Dennoch stellt die EDS, im Verhältnis zum Sperrdifferenzial, zur Differenzialsperre und zum offenen Differenzial, das sie unterstützt, eine elegante elektronische Antwort auf ein altes mechanisches Problem dar.

Wichtige Punkte
  • Bremst ein durchdrehendes Rad, um Drehmoment zum Rad mit Grip umzuleiten
  • Ahmt ein Sperrdifferenzial mithilfe der ABS-Hardware nach
  • Keine zusätzlichen mechanischen Teile – günstig und Serienstandard
  • Die kurvenorientierte VW-Variante heißt XDS
Auch bekannt als
EDLelectronic differential lockXDS