06 — Glossar
ADAS und Sicherheit

Knautschzone

Die Knautschzone ist ein konstruktiver Bereich an Front und Heck eines Fahrzeugs, der sich gezielt verformt und Aufprallenergie aufnimmt, um die steife Fahrgastzelle zu schützen.

Kategorie
ADAS und Sicherheit
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Definition

Die Knautschzone, mitunter auch Verformungs- oder Crashstruktur genannt, ist ein Bereich an Front und Heck eines Fahrzeugs, der bewusst so ausgelegt ist, dass er sich bei einem Aufprall fortschreitend verformt. Sie zählt zu den wichtigsten Fortschritten der passiven Fahrzeugsicherheit und widerlegt die einst naheliegende Annahme, ein steiferes, starreres Fahrzeug sei zugleich das sicherere. Die Knautschzone soll die enorme Energie eines Aufpralls beherrschen, indem sie die Struktur des Fahrzeugs kontrolliert opfert, damit die Menschen im Inneren geschützt bleiben.

Die zugrunde liegende Physik beruht auf dem Zusammenhang von Kraft, Verzögerung und Zeit. Bei einem Unfall müssen Fahrzeug und Insassen ihre Bewegungsenergie nahezu augenblicklich abbauen; je abrupter sie zum Stillstand kommen, desto größer sind die auf den Körper wirkenden Kräfte. Indem sich die Knautschzone in einer geplanten Abfolge faltet und zusammenschiebt, verlängert sie die Dauer des Aufpralls um einige entscheidende Zehntelsekundenbruchteile, dehnt damit die Verzögerung und senkt so die auf die Insassen wirkende Spitzenkraft. Die Energie, die sonst in die Fahrgastzelle gelangen würde, wird stattdessen durch das Verbiegen und Aufreißen von Metall aufgezehrt.

Diese kontrollierte Verformung ist nur die eine Hälfte des Konzepts. Die Knautschzonen umschließen eine steife, bewusst nicht verformbare Fahrgastzelle, häufig als Sicherheitszelle oder Überlebenszelle bezeichnet, die aus hoch- und höchstfesten Stählen gefertigt ist. Die Struktur soll rund um die Insassen nachgeben, während der von ihnen eingenommene Raum unversehrt bleibt, um ein Eindringen von Motor, Rädern oder anderen Bauteilen in den Innenraum zu verhindern. Die Ingenieure stimmen Front- und Heckbereich so ab, dass sie bei bestimmten Lasten nachgeben, und nutzen dazu abgestufte Blechstärken, vorgegebene Faltstellen und gezielt eingebrachte Sollbruchstellen, um den Verlauf des Zusammenschiebens vorzugeben.

Das Prinzip wurde in den 1950er-Jahren vom Ingenieur Béla Barényi bei Mercedes-Benz begründet und ist seither allgemein üblich; es wird durch Computersimulation und reale Crashtests fortlaufend verfeinert. Es wirkt mit den Rückhaltesystemen des Fahrzeugs zusammen: Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Kraftbegrenzern halten die Insassen während der Verzögerung an ihrem Platz, während Airbags den zweiten Aufprall zwischen Körper und Innenraum abfedern. Die Leistung der Knautschzone ist maßgeblich für die Bewertungen unabhängiger Prüfprogramme wie Euro NCAP, die Fahrzeuge einer Reihe von Frontal-, Seiten- und Offset-Aufprallen unterziehen.

Für Halter hat dies praktische Folgen. Da Knautschzonen bewusst zum Opfern ausgelegt sind, kann bereits ein mittelschwerer Aufprall strukturelle Schäden verursachen, die teuer zu reparieren sind und einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten können, obwohl die Fahrgastzelle unversehrt bleibt. Dies ist gewollt und kein Mangel: Das Fahrzeug hat seine Aufgabe erfüllt, indem es den Aufprall aufgenommen und nicht an die Insassen weitergegeben hat. Die Knautschzone steht damit beispielhaft für das übergeordnete Prinzip der modernen passiven Sicherheit, nach dem das Fahrzeug so ausgelegt wird, dass es preisgegeben werden kann, seine Insassen jedoch nicht.

Wichtige Punkte
  • Front-/Heckstruktur, die sich verformt und Aufprallenergie aufnimmt
  • Verlängert die Verzögerungszeit und senkt die Kraft auf die Insassen
  • Umschließt eine steife, nicht verformbare Fahrgastzelle
  • Wirkt mit Gurten und Airbags zusammen; zentral für NCAP-Bewertungen
Auch bekannt als
crash structurecrush zonecrumple zones