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06 — Glossar
Fahrwerk, Bremsen und Reifen

Adaptives Fahrwerk

Ein adaptives Fahrwerk nutzt elektronisch geregelte Dämpfer, die ihre Härte in Echtzeit verändern, um Fahrkomfort und Fahrdynamik in Einklang zu bringen.

Kategorie
Fahrwerk, Bremsen und Reifen
Verwandte Begriffe
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Im Glossar
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Definition

Ein adaptives Fahrwerk umfasst eine Dämpfertechnik, bei der die Stoßdämpfer eines Fahrzeugs ihre Dämpfungseigenschaften während der Fahrt elektronisch verändern. Herkömmliche Dämpfer arbeiten mit einer festen Kennung: Die Entwickler müssen sich auf eine einzige Ventilabstimmung festlegen, die stets einen Kompromiss zwischen einem weichen, komfortablen Abrollverhalten und der straffen Aufbaukontrolle eingeht, die für eine agile Fahrdynamik nötig ist. Adaptive Systeme bestehen gerade deshalb, um diesen Zielkonflikt aufzulösen: Dasselbe Fahrzeug kann auf der Autobahn gelassen und geschmeidig wirken, in einer Kurvenkombination dagegen straff und kontrolliert – und das ganz ohne Zutun des Fahrers.

Das Funktionsprinzip beruht auf Dämpfern, deren Bewegungswiderstand sich bei Bedarf verändern lässt. In der gängigsten Bauform verstellt ein elektronisch geregeltes Ventil oder ein Magnetventil die Größe der Bohrungen, durch die das Hydrauliköl beim Einfedern des Kolbens gepresst wird, und ändert so die Dämpfungskraft innerhalb von Millisekunden. Ein Steuergerät verarbeitet Signale von Wegsensoren an den Rädern, von Beschleunigungssensoren für Aufbau- und Radbewegung sowie von Lenkwinkel, Bremsdruck und Fahrgeschwindigkeit und steuert anschließend jeden Dämpfer einzeln, viele Hundert Mal pro Sekunde. Manche Ausführungen erfassen über eine vorausschauende Kamera zusätzlich die Fahrbahn, damit sich das Fahrwerk auf eine bevorstehende Bodenwelle vorbereiten kann.

Die ausgefeilteste Variante arbeitet mit magnetorheologischer Flüssigkeit, einem Hydrauliköl, das mit mikroskopisch kleinen Eisenpartikeln versetzt ist. Fließt Strom durch eine Spule im Dämpfer, entsteht ein Magnetfeld, das diese Partikel ausrichtet und die Flüssigkeit nahezu augenblicklich verdickt – und das ohne bewegliche, verschleißanfällige Ventile. Da die Verstellung durch Magnetismus statt durch ein mechanisches Ventil erfolgt, sinken die Ansprechzeiten auf wenige Millisekunden. Genau deshalb kommen magnetorheologische Dämpfer bevorzugt in sportlichen Fahrzeugen zum Einsatz, in denen das Fahrwerk schneller reagieren muss, als sich der Fahrbahnbelag verändert.

Für die Insassen sind die Vorzüge deutlich spürbar: weniger Nicken beim Bremsen, geringeres Eintauchen des Hecks beim Beschleunigen, eine flachere Kurvenlage und die Fähigkeit, scharfkantige Fahrbahnkanten zu schlucken, die den Innenraum sonst durchschütteln würden. Viele Systeme bieten wählbare Modi – Komfort, Normal, Sport –, die die Grundabstimmung verschieben, wobei die zugrunde liegende Regelung innerhalb jedes Modus weiter nachregelt. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das sich sowohl an den Untergrund als auch an die Fahrweise anpasst.

Eine wesentliche Grenze trennt das adaptive Fahrwerk vom aktiven Fahrwerk. Adaptive Dämpfer können Bewegung nur dämpfen oder freigeben; sie können keine Kraft aufbringen, um ein Rad aktiv nach unten zu drücken oder eine Fahrzeugecke anzuheben. Es handelt sich um reaktive Bauteile, die Energie lediglich verändern, statt sie hinzuzufügen – das macht sie deutlich günstiger und leichter als vollaktive Systeme und liefert dennoch einen Großteil des spürbaren Nutzens. Der Wartungsaufwand ist meist gering, doch die Dämpfer selbst sind teuer im Austausch, und ein defekter Sensor oder ein ausgefallenes Steuergerät kann das System lahmlegen, das dann in der Regel auf eine feste, straffe Kennung zurückfällt. Das adaptive Fahrwerk versteht sich somit als der praktische Mittelweg zwischen einfachen passiven Dämpfern und den selteneren, weitaus teureren aktiven Fahrwerkstechniken.

Wichtige Punkte
  • Elektronisch geregelte Dämpfer verändern die Härte in Echtzeit
  • Weich für Komfort, straff für die Aufbaukontrolle
  • Magnetorheologische Bauarten reagieren nahezu augenblicklich
  • Günstiger als ein aktives Fahrwerk, kann aber keine Kraft aufbringen
Auch bekannt als
active suspensionadaptive damperscontinuous damping controlmagnetic ride