4MATIC ist die Markenbezeichnung, die Mercedes-Benz seinen Allradantrieben gibt und die das Motordrehmoment auf alle vier Räder statt auf eine einzelne Achse verteilt. Der Name tauchte erstmals Ende der 1980er-Jahre in der Limousine der Baureihe W124 auf und hat sich seither über nahezu das gesamte Modellprogramm ausgebreitet – vom kompakten, frontlastigen Schrägheck über große, hecklastige Limousinen bis zu den robusten Systemen der G-Klasse. Sein Zweck ist es, bei schlechtem Wetter und auf losem Untergrund sichere Traktion und Stabilität zu bieten, ohne die kultivierten Fahreigenschaften aufzugeben, die man von der Marke erwartet.
Mechanisch gibt es nicht das eine 4MATIC; der Schriftzug umfasst mehrere recht unterschiedliche Bauweisen. In den größeren, heckantriebsbasierten Fahrzeugen entnimmt ein Verteilergetriebe dem Getriebe die Kraft und speist neben der Hinterachse auch eine vordere Gelenkwelle, während ein Mitteldifferenzial das Drehmoment zwischen den Achsen aufteilt. Übliche Verteilungen bevorzugen zugunsten der Fahrbalance die Hinterachse, bei vielen Modellen etwa 45:55 von vorn nach hinten, wobei Differenzial und Elektronik diese Verteilung variieren können. Bei den frontantriebsbasierten Kompaktmodellen nutzt das System stattdessen einen Nebenabtrieb und ein Lamellenkupplungspaket an der Hinterachse, das die Hinterräder bei Bedarf zuschaltet.
Der Fahrer erlebt 4MATIC meist als unsichtbare Kompetenz. Beim Anfahren an einer nassen Kreuzung, beim Erklimmen einer verschneiten Steigung oder beim kräftigen Herausbeschleunigen aus einer Kurve verteilt das System das Drehmoment auf jene Räder, die es nutzen können, und verringert Durchdrehen sowie die nervösen Lenkkorrekturen, die es sonst verlangen würde. Da Mercedes das System vorrangig auf Allwetter-Sicherheit und nicht auf extreme Geländegängigkeit abstimmt, steigert es das Alltagsvertrauen, ohne dass die Insassen Geräusch, Mehrgewicht oder Mehrverbrauch eines stark untersetzten Geländeantriebs deutlich bemerken.
Mercedes verzahnt 4MATIC eng mit der elektronischen Traktions- und Stabilitätsregelung, statt sich allein auf mechanische Sperren zu verlassen. Bei vielen Modellen sind Mittel- und Achsdifferenziale offen oder arbeiten mit Lamellenkupplungen, und die bremsbasierten elektronischen Systeme klemmen ein durchdrehendes Rad ab, um das Drehmoment über die Achse zu leiten – sie ahmen damit wirkungsvoll das Verhalten einer Differenzialsperre nach. Die Leistungsvarianten wie das 4MATIC+ der AMG-Modelle ergänzen eine vollvariable Hinterachskupplung, die von keinem Antrieb bis zu nahezu dem gesamten Drehmoment nach hinten leiten kann und sogar einen Drift-Modus erlaubt, der die Vorderachse vollständig abkoppelt.
Es gibt jedoch Zielkonflikte abzuwägen. Allradantrieb bringt Gewicht, Antriebsreibung und Kosten mit sich, hebt Kraftstoffverbrauch und Wartungspreis maßvoll an und verlängert weder Bremswege noch erweitert er den Grip über das hinaus, was die Reifen hergeben – auf Eis ist er also kein Ersatz für Winterreifen. Halter sollten zudem Reifengrößen und Verschleiß über die Achsen hinweg gleich halten, da deutliche Unterschiede die Mittelkupplung belasten können.
4MATIC ist das unmittelbare Pendant von Mercedes-Benz zu Audis quattro und BMWs xDrive und besetzt denselben Wettbewerbsraum unter den deutschen Premium-Allradsystemen. Es gehört zur größeren Familie der Allradantriebstechnik und ist auf das Mitteldifferenzial oder dessen elektronisches Äquivalent angewiesen, um den Antrieb zwischen den Achsen aufzuteilen.
- Markenname von Mercedes-Benz für den Allradantrieb
- Verteilt das Drehmoment für mehr Grip zwischen Vorder- und Hinterachse
- Vorrangig auf Allwetter-Traktion und Stabilität abgestimmt
- Mercedes-Pendant zu quattro und xDrive